Intelligenticus merkt an!!

Es ist höchste Zeit: Ethik muss wieder vor Monetik gestellt werden!

Verbrecher gibt es auch unter den Ärzten und das ist sehr bedauerlich, aber offenbar unvermeidlich. Die Verbrechen reichen von Mord über Kindsmisshandlung bis hin zur Vergewaltigung. Gott sei Dank sind dies alles sehr seltene und zumeist recht spektakuläre Einzelfälle, die vor den Gerichten landen und nicht selten auch Höchststrafen zur Folge haben. Dass sich jetzt aber auch völlig unbescholtene Kolleginnen und Kollegen vermeintlich völlig legal des Geldes wegen zu illegalem Handeln hinreißen lassen, ist – mit Verlaub – zwar kein Verbrechen, aber unerträglich, milde gesagt.

Das Verschwinden ärztlicher Zuwendung zu Gunsten der Einkommenssteigerung wirft ein immer schlechteres Licht auf diesen Berufsstand. Das beginnt manchmal ganz harmlos mit „ich behandle grundsätzlich nur Privatpatienten“, geht über zahlreiche meist nutzlose Igelleistungen bis hin zum Verkauf von Pseudoarzneimitteln. Eine weitere Variante lautet: Wir müssen in unserer Praxis noch ein paar Belastungs-EKGs machen oder Röntgenaufnahmen etc., denn in diesem Quartal sind das noch zu Wenige – das ist die sogenannte Fälle-Kosmetik am Quartalsende- auch wenn das alles im Einzelfall gar nicht erforderlich ist.

Das alte Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ gilt halt auch in dem höchst ethischen Beruf. Da wird eben dann die Solidargemeinschaft, fein ausgedrückt „belastet“, etwas gröber heißt das „bestohlen“. Wer hat eigentlich Schuld an dieser Raffgier? Antwort: Das System befindet sich in Schieflage. Die Gazetten sind voll von Klagen über geldgieriges ärztliches Handeln. So titelt der Stern in seiner Ausgabe vom 5. Sept. 2019: „215 Ärzte fordern im Stern: Mensch vor Profit!“ Sehr gut, dass diese Forderung von Ärztinnen und Ärzten erhoben wird. Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe Nr. 205 vom 5.9.19 (Zitat): „ Der Chefarzt der Intensivstation habe Patienten, die bereits von der Beatmungsmaschine entwöhnt waren, wieder an das Gerät angeschlossen – gegen die Empfehlung seiner Kollegen. Immer wieder gebe es deshalb Auseinandersetzungen, am Ende werde aber gemacht, was er sagt. In der internen Dokumentation notieren Pfleger und Ärzte zum Teil, wenn der Chef strittige Entscheidungen durchsetzt, auch mal mit dem Zusatz „!!!”. Aus der Klinik heißt es dann aber, solche Fälle seien nicht bekannt. Man vertraue dem Urteil des Chefarztes. Alle Eingriffe seien medizinisch notwendig gewesen, und bei einer Analyse habe man auch keinen Hinweis darauf gefunden, „dass systematisch Einfluss auf die Beatmungsdauer genommen wurde”. Dabei könnte der Chefarzt genau daran ein persönliches Interesse haben. In einer Vereinbarung, die der SZ vorliegt, wird ihm unter dem Punkt „Beteiligung an den erbrachten Beatmungsstunden auf der Intensivstation” ein Bonus versprochen, der mit der Zahl der Stunden wächst: Für Zehntausende Stunden winken Zehntausende €. Für mehr als 50.000 Beatmungsstunden hätte er demnach mehr als 40.000 € extra bekommen. Von der Klinik heißt es dazu, „zu Personalangelegenheiten” könne man „aus rechtlichen Gründen keine Auskünfte” geben„. (Ende des Zitats).

Die DGbV sagt: so kann es doch wirklich nicht weitergehen. Natürlich ist das System an vielen Dingen Schuld. Jeder Mensch will gesund bleiben und der Kranke will gesund werden; dass das Geld kostet ist normal und jedem bekannt. Dass man fürs Gesundwerden nicht so gerne bezahlen möchte ist ebenfalls bekannt. Die Krankenkassenbeiträge sind recht hoch und das schmerzt viele Menschen; dass aber, wo man hin schaut, die Profitgier alles überwiegt, ist langsam unerträglich. Es ist höchste Zeit zur sogenannten „Normalität“ zurück zu finden, sodass Ethik wieder vor die Monetik gestellt wird. Krankenhäuser, die nur auf Gewinn ausgerichtet sind und die sich nur die Rosinen herauspicken, müssen abgeschafft werden. Für derartige klinische Einrichtungen darf es in Zukunft ganz einfach keine Zulassungen mehr geben. Das System muss grundsätzlich geändert und der Missbrauch abgestellt werden. Wieder zurück zu mehr Empathie, Demut und Bescheidenheit. Diese Begriffe würden der Ärzteschaft besser zu Gesicht stehen, als Raffgier, Geltungssucht und Massenkrankschreibungen über die App ohne den Patient gesehen und geschweige denn untersucht zu haben. Es wird lange dauern bis das Image der Ärzteschaft wieder aufpoliert ist. Nach Auffassung der DGbV ist es jedenfalls höchste Zeit.

Das schwächste Glied in der Kette ist doch der Patient und wenn er wirklich krank ist, dann braucht er Zuwendung und Hilfe ohne Angst haben zu müssen, dass er „ausgenommen“ wird. Dahin müssen wir wieder kommen, liebe Kolleginnen und Kollegen, als Ärzte und nicht als „Götter in Weiß“. Jeder und jede einzelne Kollege oder Kollegin kann seinen Beitrag dazu leisten. Viele tun es ja schon, aber es müssen mehr werden. Die DGbV wird sich jedenfalls nach Kräften im Sinne ihrer Bürgerorientierung dafür einsetzen.

Ihr Intelligenticus

Dezember 2019