Intelligenticus2018-01-13T16:15:05+00:00

Intelligenticus merkt an!!

Entlassmanagement, ein auf dem Rücken des Patienten ausgetragener Streit.

Jeder kennt das Problem: Patient wird aus dem Krankenhaus entlassen, geht zu seinem Hausarzt aber der Arztbrief ist noch nicht da. Es gibt vielleicht einen nicht immer leicht lesbaren sogenannten „Vorläufigen Arztbericht“ mit einem Medikationsvorschlag ohne weitere Angaben zum Krankheitsverlauf oder zur Prognose. Zudem steht noch das Wochenende bevor. Im Krankenhaus ist niemand erreichbar, der Bescheid weiß. Was also tun? Die bisherige Regelung zum Entlassungsmanagement wurde notwendigerweise in § 39 Abs. 1a SGB V mit dem Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungs- stärkungsgesetz) neu gefasst. Die Neuregelung soll dazu, dienen, die Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Sektor und die lückenlose Versorgung der Versicherten beim Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung zu verbessern. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Möchte man meinen.

Der Gesetzgeber hat den Anspruch des Versicherten auf ein Entlassmanagement mit dem Ziel in das SGB aufgenommen, die Kontinuität der Versorgung zu gewährleisten, die Kommunikation zwischen den beteiligten ambulanten oder stationären Versorgungsbereichen zu verbessern, die Entlastung von Patienten und ihren Angehörigen zu ermöglichen, sowie zu einer möglichen Vermeidung des „Drehtüreffektes“ beizutragen (vgl. BT Drs. 17/6906, Seite 55, zu Nummer 8). Diese Neufassung der bisherigen Regelung zum Entlassungsmanagement (§ 39 Abs. 1a SGB V) macht ja auch wirklich Sinn. Es geht schlichtweg darum, dass es für Patienten im Moment des Übergangs von der stationären zur ambulanten Versorgung nicht zu Behandlungsunterbrechungen kommt. Um dies zu erreichen sollen Krankenhausärzte ab Juli 2017 ihren Patienten Medikamente, Pflege oder Hilfsmittel für eine Woche verordnen dürfen. Auch Krankschreibungen direkt aus dem Krankenhaus heraus, sollen möglich werden.

Man glaubt es nicht, aber sofort wiehert der Amtsschimmel: Laut Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG, widersprechen diese Anforderungen dem Geist des Gesetzes (ge eint ist das SGB V). Er behauptet, eine „Zwangsregistrierung“ von 50.000 Krankenhausärzten bei den Krankenversicherungen sei ein „absoluter WiderWiderspruch“. Für das Entlassmanagement habe der Gesetzgeber nicht den einzelnen Krankenhausarzt in die Pflicht genommen, sondern die Krankenhäuser als Institutionen, fügte er hinzu. Die Krankenhäuser wehren sich also gegen diese, wie sie sagen, zusätzlichen bürokratischen Aufgaben. Sie sehen darin eine Überbürokratisierung ihrer Aufgabenbereiche. Das mag ja sein. Und ist auch begründbar durch den Personalmangel auf Grund permanenter Stellenstreichungen.

Ein weiterer Grund für die allgemeine Verweigerungshaltung ist auch die Furcht der KVen und vor allem der Krankenkassen, dass die in solchen Dingen unerfahrenen Krankenhausärzte das Wirtschaftlichkeitsgebot bei den Verordnungen missachten könnten und dadurch zusätzliche und unvorhersehbare Kosten generiert werden. Vielleicht könnte ja mal jemand ausrechnen, welche Kosten der sogenannte Drehtüreffekt oder eine Behandlungsunterbrechung mangels vernünftiger Information zur Folge hat. Vielleicht kommt man dann schnell dahinter, dass da einige Personalstellen zusammenkommen, di man unsinnigerweise eingespart hat. Man fragt sich schon seit Jahrzehnten: Warum ist es eigentlich so schwer, den Übergang von stationär zu ambulant patientengerecht zu organisieren?

Die DGbV setzt sich als bürgerorientierte Gesundheitsgesellschaft intensiv für eine Verbesserung dieser Schwachstelle des Gesundheitssystems in Deutschland ein. Wenn sich Kliniken einmal daran gewöhnt haben, dass Entlassmanagement bereits bei der Aufnahme eines Patienten in eine Klinik beginnt, dann könnte alles einfacher werden. Ohne auf mögliche Urteile von Gerichten zu einer Gesetzesänderung zu warten. Auch wenn die Einsprüche der DKG berechtigt sein sollten, darf deren Einspruch keine aufschiebende Wirkung haben, denn das kann bekanntlich Jahre dauern. Eigentlich müsste man annehmen, dass auch der Krankenhausarzt Interesse am Befinden bzw. dem weiteren Schicksal seines Patienten haben sollte. Allerdings kommt der Patient in den meisten Fällen nie wieder. Das steht sicher im Gegensatz zur Praxis des niedergelassenen Arztes, wo er vielleicht täglich im Wartezimmer sitzt. Der Patient hat aber schon immer einen grundsätzlichen Anspruch auf eine fachlich adäquate Behandlung unmittelbar nach seiner Entlassung aus einem Krankenhaus. Dieses Recht sollte jetzt endlich einmal umgesetzt werden – und zwar wirksam. Bei etwas gutem Willen auf beiden Seiten, müsste das doch möglich sein.

Ihr Intelligenticus

April 2017